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AUSBILDUNG
5/09
AKTUELLES ZUR AUS- UND WEITERBILDUNG |
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Seminar „Der erfolgreiche Industrielehrling“
2-tägiges Seminar für Industrielehrlinge ab dem 3. Lehrjahr im WIFI Wien am 11.+ 12. November 2009
Seminar „Erfolgreiche Kommunikation für Industrielehrlinge“
2-tägiges Seminar für Industrielehrlinge im 2. Lehrjahr – 24.+25.11.2009
Ausbilderseminar „Kooperation oder Konkurrenz“ – Umgang mit Lehrlingen
Vom 19. bis 21. Oktober 2009 fand im Seminarhotel Relaxresort Kothmühle das diesjährige Ausbilderseminar statt.
Praxistest bringt Geld für Lehrbetriebe
Die Qualität der Lehrlingsausbildung wird mit einem Praxistest überprüft. Betriebe werden für erfolgreiche Ausbildungsnachweise belohnt.
Jank: Wiener Lehrstellenmarkt trotzt der Krise
Zahl der Lehrstellensuchenden geht zurück – Zugleich Rückgang bei Lehranfängern – Lehre mit Matura großer Erfolg – Neue Qualifizierungsinitiative der WK Wien für Lehrlinge
AmaZone Award 2009 wurde verliehen
Unternehmen, die sich in der Lehrausbildung von Mädchen und jungen Frauen in nicht-traditionellen Berufen engagieren.
Aktuelle Stellungnahmen der Wirtschaftskammer
Lehrberufe in Österreich - Ausbildungen mit Zukunft
Neues AWS-Medienpaket „Beruf und Bildung“
Sensationserfolg für Österreich: 8 Medaillen bei WorldSkills 2009
Ausbilderseminar „Kooperation oder Konkurrenz“ – Umgang mit Lehrlingen
Vom 19. bis 21. Oktober 2009 fand im Seminarhotel Relaxresort Kothmühle das diesjährige Ausbilderseminar statt.
18 Teilnehmer aus
Wiener und niederösterreichischen Industrieunternehmen trafen sich am 19.
Oktober zu diesem Seminar. Mehr als 1.000 Lehrlinge be¬treuten diese zusammen,
im Schnitt ar¬beitete jeder Ausbilder bis jetzt 10 Jahre in der
Lehrlingsausbildung.
Folgende Themen wurden bei dem Seminar behandelt:
Bei diesem Seminar
wurde vor allem auf die Praxisbezogenheit Wert gelegt.
Alle Fallbeispiele kamen direkt aus dem Arbeitsbereich der Teilnehmer. Sie
wurden gemeinsam mit diesen besprochen und Lösungen zusammen erarbeitet.
Der Bereich „Kooperation und Konkurrenz“ wurde im Rahmen eines Simulationsspiels
geübt und verinnerlicht, wobei die Entscheidung „gemeinsam oder einsam“
letztlich über Sieg und Niederlage entschied.
Das Thema „Emotionen im Alltag der Lehrlingsausbildung“ wurde, nach einer kurzen
theoretischen Einleitung, konkret an Fallbeispielen diskutiert, wobei von den
Trainern Methoden zum Umgang mit Emotionen aufgezeigt wurden. Weiters wurden
Möglichkeiten zur Deeskalation von Gesprächen mit Jugendlichen dargestellt.
Gruppendynamische Aspekte und das Ziel, in einer Gruppe die „Balance“ zu finden,
waren Thema am letzten Tag des Seminars. Anhand von Film- und Hörbeispielen
wurde gezeigt wie Gruppendynamik funktioniert und wie aus kooperativen Verhalten
ohne Kommunikation schnell Konkurrenz entstehen kann. Die Balance ginge so
verloren.
Zum Abschluss wurden noch die 4 Persönlichkeitstypen nach Riemann besprochen,
nach denen sich natürlich auch Lehrlinge einteilen lassen. Indem man diese Typen
erkennt, lassen sich auf¬bauend darauf die jeweiligen unterschiedlichen Förder-
und Motivationsmöglichkeiten anwenden.
Die Reaktionen der Ausbilder war überaus positiv – vom erfahrenen bis zum jungen
Lehrlingsausbilder – jeder konnte profitieren; auf der einen Seite aufgrund der
hervorragenden Leitung der beiden Trainer, Mag. Marion Schadler und Dr. Thomas
Pollmann, auf der anderen Seite durch den Erfahrungsaustausch mit den anderen
Teilnehmern.
Das nächste Ausbilderseminar wird im Herbst 2010 stattfinden.
Jank: Wiener Lehrstellenmarkt trotzt der Krise
Zahl der Lehrstellensuchenden geht zurück – Zugleich Rückgang bei Lehranfängern – Lehre mit Matura großer Erfolg – Neue Qualifizierungsinitiative der WK Wien für Lehrlinge.
Die Wiener
Lehrlingszahlen bleiben trotz schwieriger wirtschaftlicher Zeiten stabil.
Derzeit sind knapp 18.000 Lehrlinge in Wien in Ausbildung. Damit liegen die
aktuellen Zahlen auf dem hohen Niveau des Vorjahres und etwa drei Prozent über
dem Wert 2007. Allerdings ist bei den Lehranfängern ein Minus von 4,3 Prozent zu
verzeichnen. In Summe haben 5.684 Jugendliche eine Lehre begonnen, um 253
weniger als vor einem Jahr. „Die Ausbildung der Fachkräfte von morgen hat nach
wie vor einen hohen Stellenwert im Bewusstsein der Wiener Betriebe“, sagt
Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. „Allerdings dämpfen die
schwache Konjunktur und die in vielen Bereichen rückläufige Auftragslage die
Möglichkeiten für Ausbildungsbetriebe, neue Lehrlinge aufzunehmen“. Die
Lehrstellenberater der Wirtschaftskammer Wien haben daher seit Jahresanfang über
1.000 Wiener Betriebe besucht, um neue Lehrstellen zu akquirieren und über die
neuen Förderungen zu informieren. Zusätzlich startet die Wirtschaftskammer Wien
in diesen Tagen mit einem neuen Trainingsprogramm für Lehrlinge, um Schwächen im
Bereich der „Social Skills“ auszugleichen. Die meisten Lehrlinge sind derzeit in
den Betrieben der Sparte Gewerbe & Handwerk (35%), im Handel (17%) und in den
Tourismus- und Freizeitunternehmen (11%) tätig.
470 OFFENE LEHRSTELLEN
Wiens Betriebe suchen nach wie vor junge Nachwuchs-Fachkräfte. Derzeit wird in
Summe für 470 Stellen über das AMS noch ein passender Jugendlicher gesucht. Im
vergangenen Jahr waren zu dieser Zeit zwar noch 690 freie Stellen gemeldet,
damals gab es aber den höchsten Wert seit 1995 und damit ein Ausnahmenjahr.
Derzeit liegt Wien auf dem guten Niveau von 2007. Die meisten offenen
Lehrstellen gibt es im Handel, im Tourismus und bei den Bürokaufleuten.
Die Motivation der Wiener Betriebe, Lehrlinge aufzunehmen, sieht Jank einerseits
in dem zunehmenden Fachkräftemangel, andererseits bietet auch das neue
Fördersystem bessere Anreize. Denn bei der Basisförderung für Betriebe wird
nicht mehr ein Einheitswert ausbezahlt, sondern ein Betrag, der an die Höhe der
Lehrlingsentschädigung anpasst ist, die von Beruf zu Beruf variieren. Damit ist
die Anstellung von Lehrlingen in Branchen mit höheren Lehrlingsentschädigungen –
etwa in der Bauwirtschaft – deutlich gerechter geworden. Zusätzlich gibt es
erstmals eigene Förderungen für Betriebe, die sich bei der Weiterbildung ihrer
Lehrlinge besonders engagieren oder die Qualität in der Ausbildung verbessern.
AUGENMERK AUF QUALIFIZIERUNG DER JUGENDLICHEN LEGEN
Durch den steigenden Bedarf an Fachkräften wird die Nachfrage nach Lehrlingen in
den kommenden Jahren weiterhin sehr hoch sein. Die Suche nach geeigneten
Lehrlingen wird für Betriebe allerdings schwieriger werden, denn nun kommen
vermehrt schwächere Geburtenjahrgänge ins Lehrlingsalter. Bereits im nächsten
Jahr wird es um über 600 weniger 15-jährige geben, in den Folgejahren spitzt
sich die Situation auf über 1.200 weniger Jugendliche zu. Das Angebot an
ausreichend qualifizierten Lehrlingen und Lehrstellenwerbern wird damit weiter
sinken. Schon heute klagen 70 Prozent der ausbildenden Betriebe, keine
geeigneten Lehrlinge zu finden bzw. über mangelhafte Umgangsformen und
Leistungsbereitschaft. „Das kostet uns Wettbewerbsfähigkeit und schwächt den
Wirtschaftsstandort. Dabei geht es heute nicht einmal nur um echtes Fachwissen,
sondern die Probleme beginnen oft schon bei Lesen, Schreiben und Rechnen“, so
Jank.
NEU: TOOLS FOR LIFE LEHRT SOZIALKOMPETENZ
Die Wirtschaftskammer Wien startet daher eine neue Initiative und bietet seit
Anfang Oktober eigene Fortbildungskurse für Lehrlinge. Unter dem Titel Tools for
Life werden gemeinsam mit der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft die so
genannten Soft Facts Kommunikation, Eigen- und Fremdmotivation und Mentalkraft
vermittelt. Das Motto von Tools for Life: Je besser jemand mit sich selbst zu
Recht kommt, desto zufriedener wird er - je besser jemand mit seinem Umfeld zu
Recht kommt, desto erfolgreicher ist er. Ziel der neuen Initiative ist es, vor
allem die Konzentration, Kommunikation und Teamfähigkeit zu verbessern.
Entwickelt wurde das Trainingsprogramm vom international erfolgreichen
Sozialcoach Eric Adler. Umgesetzt wird das Projekt im Gewerbehaus der
Wirtschaftskammer Wien. Während sechs Workshops à zwei Stunden vermitteln
Trainer das Basiswissen zu den Zielthemen Konzentration, Kommunikation und
Teamfähigkeit. Anhand von 84 Aufgabenstellungen können die teilnehmenden
Lehrlinge das Erlernte in der Praxis am Arbeitsplatz anwenden. Konkret werden
Routineabläufe im täglichen Leben hinterfragt, um den Blick für Neues zu öffnen.
Außerdem werden Listen der für den Tag geplanten Aktivitäten erstellt und diese
als Orientierung für die Umsetzung herangezogen. Das schärft das Bewusstsein für
Zeit- und Ressourcenmanagement. Trainiert wird auch, wie man am Abend am besten
den Tag Revue passieren lässt und was gut und was weniger gut gelaufen ist, um
die Eigenwahrnehmung zu stärken.
Diese Übungen ermöglichen es, in Alltagssituationen das Wissen spielerisch zu
vertiefen und in weiterer Folge die Persönlichkeit zu entwickeln. Die
(Abend-)Kurse laufen über drei Monate und kosten 270 Euro je Teilnehmer. Diese
Kosten werden den Betrieben, die ihre Lehrlinge zu Tools for Life anmelden, von
der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Wien zu 75 Prozent refundiert. Bisher
gibt es über 400 Anmeldungen.
LEHRE MIT MATURA ERFREUT SICH GROßER BELIEBTHEIT
Eine weitere Maßnahme zur besseren Qualifizierung der Lehrlinge ist die Lehre
mit Matura, eine Verknüpfung von Lehrberuf und Reifeprüfung. „Viele Jugendliche
quälen sich lieber durch die Schule als einen Lehrberuf anzufangen. Das Modell
der Lehre mit Matura ist für diese Jugendlichen eine interessante Alternative,
bei der sie neben einer profunden Berufsausbildung auch eine Matura absolvieren
können“, so Jank. Generell wird mit dem seit dem Frühjahr laufenden Modell die
Lehre stark aufgewertet und für viele Schulabsolventen interessanter: bessere
Jobchancen durch eine breitere Ausbildung, und vor allem kostenlos.
Der Einstieg ist für Lehrlinge aller Berufe ab dem ersten Lehrjahr möglich. Der
Vorteil des Modells: Die Lehrausbildung und Vorbereitung auf die Berufsmatura
können zeitgleich gemacht werden. Und drei der vier Prüfungen können vor der
Lehrabschlussprüfung absolviert werden, die vierte nach der Lehrabschlussprüfung
und nach Vollendung des 19. Lebensjahres. In Absprache mit den Lehrbetrieben
dürfen die Kurse während der Arbeitszeit besucht werden.
Mittlerweile nehmen rund 1330 Wiener Lehrlinge, das sind über sieben Prozent
aller Wiener Auszubildenden, dieses Angebot in Anspruch. Am häufigsten Büro- und
Einzelhandelskaufleute, Reisebüroassistenten, Kommunikationstechniker und
Installateure.
GROßER NACHHOLBEDARF BEI LEHRLINGSQUALIFIZIERUNG
Trotz der erwähnten Fortbildungsmaßnahmen besteht für die Wirtschaftskammer Wien
großer Reformbedarf im traditionellen Schulsystem, das die Fähigkeit zum
selbstständigen Arbeiten, das Verständnis von Arbeitsabläufen und das
grundlegende Interesse am Lehrberuf nur ungenügend vermittelt. Daher spricht
sich Jank dafür aus, Bildungsberatung und praxisorientierte Berufsinformation in
allen Schultypen zu intensivieren, damit Schüler, Lehrer und Eltern Klarheit
haben, worauf es in der Wirtschaft ankommt.
Ganz konkret spricht sich Jank für eine Qualitätssicherung im Unterricht aus.
Dazu zählen:
• Individuelle Begabungen besser zu fördern
• Bildungsstandards als Mindeststandards festzulegen
• mehr Wirtschaftsbezug in der Schulausbildung
• Unternehmergeist frühzeitig zu fördern, etwa durch den Unternehmerführerschein
der Wirtschaftskammer, Berufsschnuppern, verpflichtende Betriebspraktika für
alle Lehrer in Ausbildung, Bildungs- und Berufsorientierung als eigenes Fach,
Einsatz von Unternehmern/Managern zur Berufsorientierung und Projekte, die
Interesse an Technik und Naturwissenschaften wecken
„Jetzt müssen endlich Maßnahmen im Bildungsbereich folgen, um die Schüler besser
und rechtzeitig für das Berufsleben zu qualifizieren“, sagt Jank, „Der
Leidensdruck der Lehrer, Schüler, Eltern und nicht zuletzt der Wirtschaft ist
mittlerweile unübersehbar groß.“
JUGENDLICHE SUCHEN VERMEHRT DIREKT NACH EINER LEHRSTELLE
Ein interessanter Trend auf dem Lehrstellenmarkt: Die Zahl der Wiener
Jugendlichen, die über das AMS eine Lehrstelle suchen, ist deutlich gesunken.
Waren im Oktober 2008 noch 2590 junge Wiener beim AMS vorgemerkt, so sind es
heuer 1.620 bzw. um 37 Prozent weniger. Das dürfte vor allem daran liegen, dass
sich Jugendliche vermehrt direkt bei den Unternehmen bewerben und sich erst in
zweiter Linie beim AMS melden. Zudem ist der Anteil der Jugendlichen, die sich
für eine Lehre entscheiden, seit Jahren rückläufig. 1991 haben sich in Wien noch
45 Prozent der 15-Jäh¬rigen für eine „Karriere mit Lehre“ entschieden, derzeit
wählen nur knapp über 30 Prozent diesen Ausbildungsweg. Die größten Rückgänge
gegenüber dem Vorjahr gibt es heuer bei den Einzelhandelskaufleuten (-176
Lehrstellensuchende), KFZ-Techniker (-172), Bürokaufleuten (-116), den Friseuren
(-103), den Köchen (-47) und bei den Elektroinstallationstechnikern (-39).
Zuwächse gab es hingegen nur bei wenigen Berufen, z.B. bei den Steinmetzen und
Rauchfangkehrern (jeweils +2 Lehrstellensuchende).
Quelle: : Jour Fixe von WKW-Präsidentin Jank am 8. Oktober 2009