|
Wien ist bereits heute der Wirtschaftsstandort in
Österreich. Daher möchte ich schon jetzt der
künftigen Bundesregierung das Wohl der Wiener
Wirtschaft ans Herz legen", erklärt Präsident
Walter Nettig anlässlich der Präsentation der
wesentlichsten wirtschaftspolitischen Anliegen der WKW. Die
Bundeshauptstadt sei schon heute Zentrum des
mitteleuropäischen Ballungsraums und habe innerhalb
Österreichs eine führende Position bei
Wirtschaftsleistung und Innovationskraft. "Wie die
vergangenen beiden Jahre gezeigt haben, strahlt die
ökonomische Entwicklung Wiens auf die gesamte
Wirtschaft Österreichs aus.
Besonders deutlich sieht man das auf den
Arbeitsmärkten, wo Schwächen in Wien
österreichweit deutliche Spuren hinterlassen", so
Nettig. Vor diesem Hintergrund sei also die Förderung
und der Ausbau des Wirtschaftsstandorts Wien ein geradezu
zwingender Arbeitsschwerpunkt jeder neuen Regierung.
Die Schwerpunkte
Im Folgenden einige der wichtigsten Arbeitsschwerpunkte,
die jedenfalls berücksichtigt werden sollten:
1. Infrastruktur/EU-Erweiterung:
Die Erweiterung der Europäischen Union ist ein
entscheidender Schritt für Europa, und besonders
für den Wirtschaftsstandort Wien. Mit dem Fall des
Eisernen Vorhanges kam die Bundeshauptstadt aus einem "toten
Winkel" in Europa heraus, nun besteht die Riesenchance, dass
sich ein großer Wirtschaftsraum rund um Wien
etabliert. Ziel der Bundeshauptstadt muss es weiterhin sein,
das Zentrum dieses neuen Wirtschaftsraums zu bilden.
Um diese Funktion wahrnehmen zu können, sind
wichtige infrastrukturelle Vernetzungen mit unseren Nachbarn
überfällig:
Straßenbau:
S1 Nordostumfahrung Wiens mit 6. Donaubrücke
zur Entflechtung von Stadtverkehr und regionalem bzw.
internationalem Wirtschaftsverkehr.
A 6 Spange Kittsee, ein überfälliger
Lückenschluss, damit die beiden Ballungsräume Wien
und Bratislava endlich über eine direkte
Autobahnverbindung verfügen.
A5 Nordautobahn
Schienenneu- bzw. Ausbau:
Eisenbahnverbindung Wien - Wampersdorf -
Eisenstadt - Sopron
Eisenbahnverbindung Flughafen Wien -
Bratislava
Zentralbahnhof Wien
2. Verwaltungsreform
Nur eine effiziente und rasche Verwaltung garantiert
minimalen Aufwand und maximale Servicequalität für
die Wiener Wirtschaftstreibenden. Selbst bei Beibehaltung
der derzeitigen Aufgabenfülle sind durch deutliche
Straffung der Verwaltungsabläufe erhebliche
Kosteneinsparungen für Staatsbürger und Verwaltung
möglich.
Wesentliche Anliegen:
Flächendeckender Einsatz des Elektronischen
Aktes. Darunter verstehen wir, dass nicht nur Formulare,
Anträge etc. über das Internet verschickt werden,
sondern der Kunde - in diesem Fall der Unternehmer - direkt
im System der jeweiligen Verwaltung arbeitet, Daten eingibt
und Informationen ergänzt. Dadurch sind raschere und
nachvollziehbare Verfahren möglich.
Rasche Umsetzung der elektronischen Signatur
(Bürgerkarte) für den sicheren elektronischen
Zugang zur Verwaltung.
Beschleunigung und Vereinfachung von
Genehmigungsverfahren sowie Verfahrenskonzentrationen.
Insbesondere sollten für Kleinbetriebe des Handels und
des Gewerbes generelle Ausnahmen von der
Betriebsanlagengenehmigungspflicht geschaffen werden.
Garantierte Verfahrensdauer für
internationale Investoren: Planungssicherheit ist heute zu
einem entscheidenden Faktor im internationalen Wettstreit um
ausländische Direktinvestitionen geworden. Angestrebter
Zeithorizont: drei bis sechs Monate.
Beschleunigung der Infrastrukturprojekte durch
Verkürzung der Umweltverträglich-keitsprüfung
von drei Jahren auf ein Jahr.
3. Steuern und Abgaben
Nach wie vor kämpft die Wiener Wirtschaft mit einer
im internationalen Vergleich enorm hohen Abgabenquote. Zwar
wurden beim brennenden Problem der Lohnnebenkosten bereits
einige Etappen genommen, nun muss der Weg der Entlastung
konsequent fortgesetzt werden.
Die wichtigsten Punkte:
Lohnnebenkosten weiter senken
Eigenkapitalbasis stärken, und zwar durch
steuerliche Begünstigung der Kapitalbildung.
Nichtentnommene Gewinne sollen unabhängig von der
Rechtsform mit nur 25% besteuert werden.
Gebührenbefreiung für Kauf- und
Mietverträge: Diese käme vor allem
Neugründern entgegen, weil gerade zu Beginn der
Tätigkeit oft noch derartige Gebühren
anfallen.
Wegfall des Arbeitslosenversicherungsbeitrages ab
dem 50. Lebensjahr, und zwar nicht nur bei Neueinstellung,
sondern generell bei Erreichen der Altersgrenze.
Mehrwertsteuerbefreiung bei Sanierungsarbeiten an
denkmalgeschützten Gebäuden - würde den
spezialisierten Wiener Gewerbebetrieben zu neuen
Aufträgen verhelfen.
Steuerfreiheit von Spenden und Sponsoring.
4. Forschung und Entwicklung
Wien als High-Tech-Zentrum Österreichs lebt von
einem innovativen Klima und den entsprechenden
Möglichkeiten, technische Errungenschaften auch in die
Praxis umzusetzen. Dieses Biotop muss verstärkt
gepflegt und ausgebaut werden.
Besonders vordringlich:
Ausreichend Geld für Forschung: Um das Ziel
steigender Forschungsorientierung zu erreichen, müssen
vermehrt Forschungsförderungsgelder für
Wirtschaftsprojekte zur Verfügung gestellt werden.
Verbesserter Zugang zu Förderungsmitteln
für KMU
Schaffen von Netzwerken zwischen
Universitäten sowie Fachhochschulen und Unternehmen
5. Aus- und Weiterbildung
Das hohe Qualifikationsniveau der Wiener
Arbeitskräfte ist ein ganz wesentlicher
Wettbewerbsvorteil. Diesen gilt es dringend weiter
auszubauen.
Zentrale Anliegen:
Garantierte Mindeststandards nach der
Pflichtschule
Flexibilisierung und Modernisierung der Lehrberufe
fortsetzen
Praxisgerechte Auflösungsmöglichkeiten
bei Unfähigkeit oder Unwilligkeit des Lehrling
Eigene Ausbildungsschiene für Jugendliche,
die (noch) nicht über die notwendige Lehrvertragsreife
verfügen, mit Umstiegsmöglichkeit in die Lehre
Internationale Austauschprogramme für
Lehrlinge und Lehrabsolventen verstärken
6. Nahversorgung/Einkaufszentren
Rückführung der
Einkaufzentren-Verordnungs-Kompetenz auf Bundesebene und
effizientere inhaltliche Ausgestaltung dieser Verordnung. Da
diese Thematik länderübergreifende Auswirkungen
hat, greift die derzeitige Ermächtigung an die
Länder zu kurz. Auch für die Raumordnung
müsste es bundeseinheitliche Rahmenbedingungen
geben.
7. Arbeitsmarkt
Flexibilisierung der Arbeitszeit verbunden mit einer
Lohnnebenkostensenkung werden dazu beitragen, die
angespannte Situation am Wiener Arbeitsmarkt zu
entschärfen.
Wesentliche Punkte:
Flexibilisierung der Arbeitszeit durch Anhebung
der täglichen Normalarbeitszeit auf zehn Stunden
Ersatzloser Wegfall der
"Schwarz-Weiß-Regelung" im Handel (Beschäftigung
derzeit nur jeden zweiten Samstag möglich)
Steigerung der Effizienz bei der Vermittlung von
Arbeitslosen durch das AMS, auch über das Wohn- und
Einzugsgebiet hinaus
Ausreichende Anzahl von Saisonniers für
Saisonbranchen und unbürokratische Handhabung der
Kontingente.
|