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Die Wiener Wirtschaft bildet derzeit über 16.000
junge Menschen in rund 150 verschiedenen Lehrberufen aus.
"Diese Ausbildungsleistung ist keineswegs
selbstverständlich, sondern beruht auf der hohen
Verantwortung, die die Wiener Lehrbetriebe für die
Heranbildung zukünftiger Fachkräfte für ihren
Betrieb, aber auch für die Gesellschaft
übernehmen", erklärt der Präsident der
Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig. Die Wirtschaftskammer
Wien ist laufend bemüht, die Rahmenbedingungen für
die Ausbildungsbetriebe zu verbessern, damit die Lehre auch
in Wien Zukunft hat. Hier wurde in den letzten Jahren
einiges erreicht - wie zum Beispiel die neue Förderung
von Ausbildungsverbünden in Wien durch den WAFF.
Förderung für Ausbildungsverbünde
Als Ausbildungsverbünde bezeichnet man die
Zusammenarbeit von Lehrbetrieben mit Partnern. Diese
Partner, die dem Lehrling spezifische Inhalte vermitteln,
können andere Betriebe oder Bildungseinrichtungen sein.
Die Inhalte können dabei solche des Berufsbildes, aber
auch zusätzliche Fertigkeiten und Kenntnisse sowohl auf
fachlicher als auch auf persönlicher Ebene sein. Die
neue Förderung für Ausbildungsverbünde beruht
auf einem gemeinsamen Vorschlag der Sozialpartner an die
Stadt Wien. Lehrbetriebe erhalten damit einen Teil jener
Zusatzkosten, die durch die Heranziehung von Partnern
entstehen, refundiert. "Wir wollen mit dieser Initiative
einerseits die Ausbildung der kompletten Lehrinhalte
absichern und andererseits zusätzliche potentielle
Lehrbetriebe, die vielleicht selbst nicht alle
Ausbildungsmodule anbieten können, zur Jugendausbildung
motivieren", so Nettig.
Die Förderung beträgt 50 Prozent der
nachgewiesenen Zusatzkosten durch den Lehrbetrieb, maximal
aber 1.000 Euro pro Lehrling und Lehrjahr. Für
Betriebe, die erstmals Lehrlinge oder in neuen Lehrberufen
ausbilden, beträgt die Förderung 70 Prozent oder
bis zu 1.200 Euro pro Lehrling und Lehrjahr. Die
Broschüre "Mehr als Lehre", die von der WKW gemeinsam
mit der AK Wien erstellt und finanziert wurde, soll nun den
(zukünftigen) Ausbildungsbetrieben die
Rahmenbedingungen für Ausbildungsverbünde und die
neuen Förderungen aufzeigen, sowie darstellen, welche
Angebote der Zusammenarbeit bereits existieren. "Wichtig
erscheint mir, dass die Lehrbetriebe aus den Angeboten
wählen können und selbst entscheiden, mit welchen
Partnern sie in der Ausbildung zusammenarbeiten
möchten. Dadurch ist sichergestellt, dass die Angebote
den Bedürfnissen der Lehrbetriebe und der Lehrlinge
entsprechen", meint Nettig. Die Broschüre wurde bereits
allen aktiven Lehrbetrieben in Wien zugesandt und kann bei
der Lehrlingsstelle angefordert werden.
Rahmenbedingungen verbessern
"Vor dem Hintergrund eines äußerst schwierig
gewordenen konjunkturellen Umfelds ist es uns durch
zahlreiche Anstrengungen dennoch gelungen, die
Lehrlingssituation in Wien weitgehend stabil zu halten.
Tatsache ist aber auch, dass ganz generell angesichts des
Strukturwandels hin zur Wissensgesellschaft Bildung auch als
Standort- und Wettbewerbsfaktor immer wichtiger wird",
betont Nettig: "Die Wirtschaftskammer Wien sieht es daher
als ihre Aufgabe an, den Dialog zwischen Wirtschaft und
Schule zu fördern und damit einen ,Regionalen
Bildungscluster Wien' zu schaffen. Die Kooperationen finden
inzwischen auf vielen Ebenen zwischen Schulen und
Unternehmen statt und reichen vom reinen Sponsoring
über die Unterstützung durch Lehrmaterialien aus
der Wirtschaft bis zur Gründung von Unternehmen durch
Schüler im Rahmen des Projektes ,Junior'". Dabei
arbeitet die WKW in einem Netzwerk von Partnerinstitutionen
zusammen, das von der "Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und
Schule" bis zur "Volkswirtschaftlichen Gesellschaft"
reicht.
Nettig: "Wir versuchen also in unserem Bereich, alle
Hebel in Bewegung zu setzen, um eine praxisnahe Ausbildung
unserer Jugend zu ermöglichen. Gerade in diesem
Zusammenhang ergeben sich aus den Erfahrungen unserer
Mitgliedsbetriebe einige Forderungen, die die Wirtschaft an
die Schulen zur Sicherung einer zukunftsorientierten
Schulausbildung stellen muss."
Mindeststandards für Schulabsolventen
Jeder Schulabgänger muss nach positiver Absolvierung
der Schulpflicht über ein Mindestmaß an Wissen
und Fähigkeiten verfügen. Dazu gehören die
grundlegenden Kulturtechniken wie sinnerfassendes Lesen,
Anwendung der Grundrechnungsarten, Kommunikation in einer
Fremdsprache und PC-Anwendung. Nicht zuletzt die Erfahrungen
der WKW-Lehrstellenoffensive im Oktober vergangenen Jahres
zeigen, dass viele angebotene Lehrstellen nicht besetzt
werden konnten, weil die Bewerber über diese
Grundqualifikationen nicht verfügen.
Mehr Wirtschaftspraxis für Lehrer
In der Lehreraus- und Fortbildung muss die Absolvierung
von Praxiszeiten in der Wirtschaft zum Standard werden.
"Angesichts der Verantwortung der Lehrer für die
Zukunft ihrer Schüler ist der Bezug von Informationen
aus Schulbüchern, gelegentlichen Betriebsbesuchen oder
Lehrerseminaren nicht ausreichend, um einen realistischen
Eindruck vom Berufsleben zu gewinnen", so Nettig.
Berufsinformation in allen Schultypen
verbessern
Es muss für Schüler aller Schultypen
ermöglicht werden, realistische Berufsvorstellungen zu
entwickeln. Ermöglicht wird dies insbesondere in Form
von Realbegegnungen mit der Wirtschaft. Ein Beispiel sind
die "Berufspraktischen Tage", wo ein Schüler einige
Tage in einem Betrieb verbringt. Diese finden aber derzeit
in der Praxis fast ausschließlich im Polytechnischen
Jahr statt. Jene Schüler, die ihr letztes
Schulpflichtjahr in der AHS oder in einer BHS (HAK, HTL,
) verbringen - und dies ist in Wien die Mehrheit -,
haben diese Möglichkeit derzeit kaum.
Schwerpunkte
Die WKW selbst setzt ihrerseits unter anderem folgende
Schwerpunkte, um Ausbildung und betriebliche Praxis enger zu
verknüpfen:
- Branchenpräsentationen im BIWI:
Die Berufsinformation der Wiener Wirtschaft am
Währinger Gürtel wird von und mit Unternehmern
gemacht. Die einzelnen Berufe stellen sich immer sehr
praxisbezogen dar, die Schüler und Lehrer haben
Gelegenheit, nicht nur einfache Handgriffe auszuprobieren,
sondern mit Fachleuten vom Lehrling bis zum Meister zu
sprechen. Mehr als 30.000 Besucher haben im Vorjahr die
verschiedenen Angebote des BIWI genützt.
- Versicherung für Betriebspraktika:
Schüler oder Lehrer, die an Betriebspraktika
teilnehmen, sind über die Wirtschaftskammer Wien
kostenlos versichert. Wie wichtig diese Leistung ist, hat
sich erst kürzlich wieder gezeigt: Ein Schüler
legte versehentlich das Förderband eines
pharmazeutischen Betriebes lahm, indem er eine Leiter mit
einem Kübel Latexfarbe darauf umstieß. Die Farbe
verteilte sich über die Medikamente und in das
Förderband. Schadenssumme: 23.000 Euro - die durch die
Versicherung der WKW gedeckt wurde.
- Betriebspraktika für Lehrer:
In einem gemeinsamen Projekt mit dem Wiener Stadtschulrat
soll bei Lehrern an Wiener AHS und Pflichtschulen das
Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge
und unternehmerisches Handeln geweckt werden. Das Echo hat
die Erwartungen deutlich übertroffen. Das Projekt ist
gut angelaufen, mehr als 70 Pädagogen haben sich
bereits gemeldet und werden eine Woche in einem Wiener
Unternehmen verbringen.
- Fremdsprachenwettbewerbe an Wiener Schulen:
Auch heuer wieder werden Fremdsprachenwettbewerbe an den
Wiener AHS in den Sprachen Englisch, Französisch,
Italienisch und Spanisch gemeinsam mit dem Stadtschulrat
organisiert. Die Wettbewerbe laufen im Februar und März
und werden am 4. April mit den Preisverleihungen für
Englisch abgeschlossen.
- "2. Wiener Töchtertag" am 24. April:
Einen aktiven Beitrag will die WKW zur besseren
Heranführung von Mädchen an technische Berufe
leisten. Gemeinsam mit der Wiener Frauenstadträtin
Renate Brauner werden die Wiener Unternehmen eingeladen, an
diesem Tag ihren Betrieb für die Töchter von
Mitarbeitern zu öffnen. Ziel ist es, Mädchen und
deren Eltern bei der Berufswahl zu unterstützen und sie
auch für Berufe zu begeistern, die für
Mädchen noch nicht "typisch" sind.
- Bewerbungstraining für AHS-Schüler:
In einem Pilotprojekt wurde kürzlich an der AHS
Ottakring ein Bewerbungstraining mit Unternehmern aus
Gewerbe und Handel organisiert.
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