|
Nicht nur in der Politik, auch in der Wirtschaft haben
Verhandlungen einen hohen Stellenwert: Egal, ob es darum
geht, den besten Anbieter zu finden, einen
Geschäftspartner vom eigenen Angebot zu überzeugen
oder sich mit den Mitarbeitern über Löhne und
Gehälter, neue Arbeitszeitmodelle oder andere
Betriebsvereinbarungen zu einigen: Die Definition des Ziels
der Verhandlungen, die richtige Vorbereitung darauf und die
Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Gegenüber umgehen,
lässt oft schon lange vor Abschluss der Gespräche
darauf schließen, wie diese enden werden.
Oft wichtiger als man glaubt: Das Drumherum
Schon bei der Vereinbarung eines Termins heißt es,
seinem Geschäftspartner möglichst entgegenzukommen
- in vielerlei Hinsicht: Denn von jemandem, der einen
bekannten Weinexperten unbedingt in ein Bierlokal
einlädt, wird man nicht annehmen, dass er auf ein
Gespräch gut vorbereitet ist. "Wenn Sie ein Treffen mit
einem Geschäftspartner vereinbaren, schlagen Sie am
Besten zwei Termine vor: Erstens signalisieren Sie Ihrem
Vis-à-vis damit, dass Sie ihm schon vor Beginn des
Gesprächs entgegenkommen und ihm die
Wahlmöglichkeit überlassen, andererseits
beschäftigt er sich vor allem damit, welcher Zeitpunkt
ihm der liebere wäre. Die Frage, ob er sich
überhaupt mit Ihnen treffen will, stellt er sich dann
vielleicht gar nicht", erklärt Mag. Alexandra Herzog
von der Agentur VISUS Dellisch, systemischer
Wirtschaftscoach und Trainerin in Sachen
Verhandlungsführung am WIFI Wien. Sie lehrt nach dem
Harvard-Konzept: Oberste Prämisse dabei ist, eine
sogenannte Win-Win-Situation zu schaffen: Alle an den
Verhandlungen beteiligten sollen vom Ergebnis profitieren.
"Weil es überhaupt keinen Sinn macht, einen Partner
über den Tisch zu ziehen - zumindest
längerfristig: Wenn der auch nur das Gefühl hat,
Sie hätten ihn übervorteilt, verlieren Sie
wahrscheinlich einen Geschäftspartner", so Herzog. Ein
Konzept, das auch Dr. Karin Strobl-Zöchbauer von
Com-Consult Strobl & Partner, Trainerin am Hernstein
International Management Institute und langjährige
Kollektivvertragsverhandlerin für die Wirtschaftskammer
Wien, verfolgt: "Wichtig ist dabei, sich nicht auf die
eigene Position festzulegen, sondern auf die Interessen
beider Seiten zu achten: Wenn jemand ein Fenster
öffnet, weil er lüften will, sollte der andere es
nicht gleich wieder schließen, weil ihn ein Luftzug
stört: Er kann auch die Tür zumachen." Besonders
warnt Strobl davor, Probleme zu personalisieren: Weil es
schwierig ist, mit einem Gesprächspartner, den man
nicht mag, auf eine Win-Win-Situation hinzuarbeiten.
Der rote Faden
Das Hernstein-Seminar Verhandlungstaktik biete, so die
Kommunikationsexpertin, viele Vorteile. Einer sei etwa die
Heterogenität der Teilnehmer: Es würde von
Managern, die von einem Meeting zum nächsten
müssen, ebenso gebucht wie von Unternehmern, die neben
vielen anderweitigen Agenden auch an Verhandlungen
teilnehmen. Eines sei jedoch allen gemein: Sie können,
was Verhandlungen angeht, noch dazulernen: "Etwa, den
berühmten roten Faden nicht zu verlieren. Wir bringen
Ihnen bei, wie Sie Ihr Ziel klar vor Augen behalten - und
Mittel und Wege, wie Sie es erreichen." Wohingegen ja so
mancher Verhandlungspartner eher versucht, Steine in den Weg
zu legen. Herzog weiß Wege, denen aus dem Weg zu
gehen: "Unfaire Verhandlungstaktiken, die darauf ausgelegt
sind, Gespräche scheitern zu lassen, sollten Sie
möglichst früh erkennen, um rasch darauf reagieren
zu können. Sie bemerken das an Kleinigkeiten, an
scheinbar ganz alltäglichen Verhaltensmustern: Wer etwa
Schlüssel, Handy und Kugelschreiber auf den Tisch legt,
will seine Macht demonstrieren, seine Position
einzementieren, keinen Millimeter weichen. Bei uns lernen
Sie, richtig darauf zu reagieren: Nämlich indem Sie
sich selbst auf Ihren Verhandlungspartner zubewegen - in
Ihrem eigenen Interesse."
|