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Auch wenn das Road Pricing für Lkw frühestens
im Oktober dieses Jahres startet - für alle betroffenen
Unternehmer ist es jetzt schon höchst an der Zeit, sich
vorzubereiten und die entscheidenden Weichenstellungen
vorzunehmen", appelliert der Präsident der
Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig. Die Wiener Wirtschaft
hatte sich gemeinsam mit allen Unternehmern bundesweit
jahrelang gegen das Road Pricing gestemmt. "Wir haben unsere
ablehnende Haltung nicht aus dogmatischen, sondern aus rein
sachlichen Gründen eingenommen, und versucht,
wesentliche Verbesserungen gegenüber den
ursprünglichen Plänen zu erreichen", erklärt
Nettig. So wäre die Idee fixer Mautstellen der
Verkehrssicherheit abträglich gewesen, hätte zur
Staubildung beigetragen und wäre schließlich
derartig personalintensiv gewesen, dass unter dem Strich
nichts für den eigentlichen Mautzweck - nämlich
Straßenerhaltung und Neubauten - übrig geblieben
wäre.
Wesentliche Verbesserungen
Das jetzt eingeführte berührungslose System ist
dagegen eine wesentliche Verbesserung. Nicht durchgesetzt
hat die Wirtschaft leider vorerst ihre Forderung nach
europäischer Kompatibilität der Mautsysteme.
Nettig: "Wir bauen mit Erfolg an einem grenzenlosen Europa
und basteln parallel dazu an einem technischen
Maut-Fleckerlteppich." Im internationalen Verkehr werden
also Fahrzeuge mit den unterschiedlichsten
Elektronikkästchen, den sogenannten On Board Units
(OBU), unterwegs sein. Da auch die Stadtautobahnen bemautet
werden, erwartet Nettig, dass die Wiener Lkw schon nach sehr
kurzer Zeit in großem Ausmaß mit den OBUs
ausgerüstet sein werden. Der Bestand an Lkw über
3,5 Tonnen in Wien beläuft sich derzeit auf 7.300
Fahrzeuge, das sind 12 Prozent des heimischen Bestandes.
Nettig: "Für die Verkehrswirtschaft ist das Road
Pricing natürlich eine kostenmäßige
Zusatzbelastung. Und ich möchte schon heute alle
betroffenen Unternehmer darauf aufmerksam machen, ihre
Neukalkulationen rechtzeitig vorzunehmen." Mautsätze
von 0,13 E bis 0,27 E pro Kilometer erscheinen
höchstens auf den ersten Blick geringfügig. Doch
auf der Strecke Wien - Salzburg - Wien fallen künftig
zusätzliche Kosten von 150E an. Der Maut stehen
für die gleiche Strecke Treibstoffkosten von 100 E
gegenüber. Für einen Schwerverkehrszug, der
jährlich 80.000 km auf österreichischen Autobahnen
und Schnellstraßen unterwegs ist, wird künftig
gut 21.000 E Straßenmaut zu bezahlen sein. Insgesamt
bedeutet das Road Pricing für die Wiener
Verkehrswirtschaft eine jährliche Mehrbelastung von
etwa 30 Mio. E.
Vorbereitung auf das Road Pricing
"Dass Treibstoff einen wesentlichen Kostenfaktor beim
Transport darstellt, ist betriebswirtschaftlich eine
Selbstverständlichkeit und wird von allen akzeptiert.
Ähnlich muss es nun auch bei derartig hohen
Zusatzkosten sein, die ebenfalls in der Kalkulation
berücksichtigt werden müssen", so Nettig. Die
Wirtschaftskammer Wien wird deshalb der innerbetrieblichen
Vorbereitung der Unternehmen auf das Road Pricing in den
nächsten Monaten besonderes Augenmerk schenken.
"Für Transportunternehmen und Spediteure wird in
Seminaren das Problembewusstsein geschärft werden. Auch
wird den hauptbetroffenen Unternehmen eine CD-ROM über
die wichtigsten rechtlichen und administrativen Fragen zur
Maut zur Verfügung stehen", so Nettig. Diese CD-ROM
wird allen Wiener Transportunternehmen von der
Wirtschaftskammer Wien gratis zur Verfügung gestellt.
Neben nützlichen Informationen wie Mautkarten und
praktischen Tipps hilft ein von der WKW entwickelter
Mautkalkulator dabei, die Neukalkulation vorzunehmen.
In diesem Zusammenhang weist Nettig darauf hin, dass die
finanzielle Belastung der Verkehrsdienstleistungen an einer
Obergrenze angelangt ist: "Es ist dies ja kein isoliertes
Problem, sondern durch die Belastung des Verkehrs als
Pulsschlag der Wirtschaft wird die gesamte ökonomische
Wettbewerbsfähigkeit wesentlich mit beeinflusst".
Unerlässlich sei daher etwa, die heimische Kfz-Steuer
auf das EU-rechtliche Mindestniveau abzusenken. Ebenso sei
die Straßenbenützungsabgabe, die von Konkurrenten
aus EU-Staaten nicht mehr eingehoben werden darf, auch
für inländische Unternehmen abzuschaffen.
"Schließlich ist es doch widersinnig, sich in den
eigenen Märkten selbst zu diskriminieren," appelliert
Nettig.
Für Straßenerhaltung und -neubau
Ein klares Bekenntnis legt der Präsident der
Wirtschaftskammer Wien auch zur Zweckbindung der
künftigen Mauteinnahmen ab: "Diese Gebühren sind
ohne Wenn und Aber für Straßenerhaltung und
Straßenneubau zu verwenden." Gerade die Ostregion hat
angesichts der bevorstehenden EU-Erweiterung einen
dringenden infrastrukturellen Nachholbedarf. "Wien versteht
sich als wirtschaftlicher Zentralraum, gerade mit Blick auf
die sich erweiternde Union. Zentren sind aber
definitionsgemäß auch erstklassig erschlossen,"
so Nettig. Die Realisierung eines leistungsfähigen
Straßenrings um Wien und die Optimierung der
heimischen Anbindung etwa an tschechische und slowakische
Autobahnen müsse nun Priorität haben.
"Ich bin daher froh, dass ein unabhängiges
Expertenteam jetzt endlich die Notwendigkeit einer 6.
Donaubrücke und der Nordost-Umfahrung Wiens außer
Streit gestellt hat", zeigt sich Nettig zufrieden. "Jetzt
kann der Nordosten Wiens endgültig zu einem
hochwertigen Wirtschaftsstandort ausgebaut werden." Eine
Überraschung gibt es allerdings bei der
Trassenführung. "Ursprünglich habe ich für
eine Nordost-Umfahrung entlang der Landesgrenze Wien/
Niederösterreich plädiert. Doch ich erkenne das
Ergebnis der Strategischen Umweltprüfung (SUP) an,
wonach eine Querung des Nationalparks auf einer Länge
von über vier Kilometer mit dem Nationalparkgedanken
nicht in Einklang zu bringen ist", betont Nettig. "Ich stehe
daher hinter der Empfehlung der SUP, eine weiter innen
liegende Variante zu realisieren." Eine derartige
Trassenführung hat zudem den großen Vorteil, dass
damit ein wichtiges Betriebsansiedlungs- und
Stadtentwicklungsgebiet am ehemaligen Flugfeld Aspern
erschlossen werden kann. Ob eine gänzliche Umfahrung
des Nationalparks oder eine kurze Untertunnelung ohne
oberirdische Bauwerke kommt, werden erst die Detailplanungen
zeigen. Generell erwartet sich Nettig nun eine rasche
Abwicklung der nächsten Planungsschritte. Denn der
positive Ausgang der SUP verhindert, dass bei der folgenden
Umweltverträglichkeitsprüfung eine neue Debatte
über die Sinnhaftigkeit einer Nordost-Umfahrung
geführt werden muss (einen Beitrag zu diesem Thema
finden Sie auch auf Service-Seite 7).
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