Nr. 11 • 2003 • Seite 2

Servicepaket für Betriebsnachfolge

Das Thema Betriebsnachfolge wird leider sehr oft unterschätzt. Allein in Wien stehen in den nächsten zehn Jahren rund 22.000 Unternehmen zur Übergabe an. Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Nettig fordert daher wesentliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen.

Es ist eine traurige Tatsache, dass die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Themas Betriebsnachfolge hierzulande leider immer noch gewaltig unterschätzt wird. Bereits bestehende funktionierende Betriebe erfolgreich an einen neuen Besitzer zu übergeben, bedeutet aber nicht nur hunderttausende Arbeitsplätze zu sichern, sondern auch wertvolles Unternehmens-Know-how für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes zu erhalten", betont WKW-Präsident Walter Nettig. Gerade für die Bundeshauptstadt ist das Thema aktueller denn je, wie folgende Zahlen deutlich zeigen: In den nächsten zehn Jahren stehen in Wien insgesamt rund 22.000 Betriebe zur Übergabe an, das entspricht rund einem Drittel der derzeit aktiven Unternehmen. "Können diese Wiener Betriebe erfolgreich an einen neuen Besitzer übertragen werden, so bleiben in der Bundeshauptstadt über 101.000 Arbeitsplätze erhalten", so Nettig. In ganz Österreich beträgt die Mitarbeiterzahl in den rund 95.000 zur Übergabe anstehenden Betriebe rund 440.000.

Einer heuer erstmals von WKW-Experten erstellten Auswertung zufolge betrug die Zahl der erfolgreichen Betriebsübernahmen in Wien im Vorjahr 1.461. Dadurch konnten rund 6.800 Arbeitsplätze gesichert werden. Am meisten Betriebe (32,3 %) wurden in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft übergeben, insbesondere Restaurants und Kaffeehäuser, gefolgt von der Sparte Handel (29,8 %) mit Betrieben des Einzelhandels mit Bekleidung und Textilien sowie des Lebensmitteleinzelhandels und der Sparte Gewerbe und Handwerk (22 %), in der am häufigsten Beratungsunternehmen und Friseursalons übernommen wurden.

 

Schwerpunktthema der WKW

Nettig: "Um die Wiener Unternehmer bei einer der wohl wichtigsten und zugleich schwierigsten Entscheidung in ihrem Leben mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, haben wir in der WKW heuer ganz bewusst dieses Thema zu einem unserer Arbeitsschwerpunkte gemacht und ein umfassendes Servicepaket geschnürt."

Die alljährlich stattfindende dreiteilige Veranstaltungsreihe "Erfolgreich übernehmen und übergeben" des Gründer-Service der WKW, die sich mit mehr als 600 Besuchern pro Jahr mittlerweile zu einem fixen Treffpunkt für die Zielgruppe etabliert hat, wird heuer mit einem noch umfassenderen Angebot fortgesetzt. Details über das Info- und Servicepaket finden Sie im Kasten unten.

"Wir haben ein umfangreiches Angebot zusammengestellt, nun muss aus meiner Sicht auch von Seiten der Politik ein deutliches Signal in Richtung Verbesserung der Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben kommen", betont Nettig und präsentiert folgende Forderungen der WKW:

• Ausbau der öffentlichen Förderungsinstrumente für Betriebsübergeber und

-übernehmer im Rahmen der Austria Wirtschaftsservice GmbH und des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds,

• steuerfreie Übertragung von mittelständischen Unternehmen,

• Stärkung der betrieblichen Eigenkapitalbasis durch steuerliche Begünstigung der Kapitalbildung. Nichtentnommene Gewinne sollen unabhängig von der Rechtsform mit nur 25 % besteuert werden,

• Gebührenbefreiung für Kauf- und Mietverträge,

• branchen- und standortbezogene Ermittlung des angemessenen Mietzinses,

• Einführung einer AMS-Förderung (in Form eines Lohnzuschusses) für Übergabeeinsteiger für ein Jahr.

Das Angebot der Wirtschaftskammer Wien

Die Nachfolgerbörse der WKW stellt auch 2003 eine sehr wichtige Informations- und Vermittlungsplattform für Betriebsübergeber und potientielle Übernehmer dar. Insgesamt wurden die Experten der Nachfolgerbörse im Vorjahr rund 3.630 Mal für Informationen und persönliche Beratungen in Anspruch genommen. Derzeit sind an die 1.000 Interessenten in der Börse vorgemerkt. Große Nachfrage herrscht nach kleineren technischen Produktionsbetrieben, technischen Handelsbetrieben sowie Dienstleistungsbetrieben. Beim vorhandenen Angebot dominieren kleine Familienbetriebe mit 2 bis 10 Mitarbeitern, vorwiegend aus den Bereichen Gewerbe und Handwerk, Handel und Gastronomie. Seit Bestehen der Nachfolgerbörse der WKW konnten bereits mehr als 1.800 Wiener Betriebe erfolgreich vermittelt werden.

Info: Maria Kopantschnig, Tel.: 514 50 DW 1309, Fax-DW 1491,

e-mail: maria.kopantschnig@wkw.at

 

Das Unternehmerservice (UNS) des WIFI Wien hat eine eigene geförderte Beratungsschiene für die Betriebsnachfolge eingerichtet. Dazu zählt das Beratungsfördermodell "Übergabe - Beratung" mit einer geförderten Beratungsdauer von maximal 24 Stunden. Die kompetenten Berater des Unternehmerservice unterstützen die Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer dabei sowohl im Rahmen eines "Informationsgespräches zur Übergabe" (geförderte Beratungsdauer max. 4 Stunden) sowie mit einer umfassenden "Übergabeberatung" (geförderte Beratungsdauer 24 Stunden). Die Ermittlung des Unternehmenswertes im Hinblick auf eine spätere Übergabe steht auch im Mittelpunkt des Beratungsfördermodells "Unternehmenswert", einer Kurzberatung mit einer geförderten Beratungsdauer von maximal 4 Stunden, die insbesondere ältere, übergabewillige Unternehmer zur Zielgruppe hat und zumeist als Einstieg in das Thema in Anspruch genommen wird. Das maßgeschneiderte Angebot kommt bei den Betrieben sehr gut an: Allein im vergangenen Jahr hat das Expertenteam des Unternehmerservice knapp 200 Intensivberatungen rund um das Thema durchgeführt.

Die Konditionen für Beratungen durch das Unternehmerservice sind für Betriebe äußerst attraktiv: Pro Beraterstunde wird bis 31.12.2003 ein begünstigter Honorarsatz von 68,- Euro + 20 % USt. verrechnet. Darüber hinaus gewährt die WKW bis zur maximal geförderten Beratungsdauer einen Zuschuss von 50 % der Nettoberatungskosten (bei der Kurzberatung "Unternehmenswert" beträgt der Zuschuss 100 %).

Info: Mag. Christine Schilling,

Tel.: 476 77 DW 462, Fax-DW 459,

e-mail: uns@wifiwien.at

Internet: www.wifiwien.at/uns

 

Professionellen Beistand bei der Abwicklung von Betriebsübergaben bietet auch die Fachgruppe Unternehmensberatung & Informationstechnologie der WKW, die dafür eigens die Special-Interest (SPIN)-Group "Übergabe", eine Kooperationsplattform von auf den Übergabevorgang spezialisierten Unternehmensberatern, eingerichtet hat. Diese Spezialisten begleiten Übergeber als "Generalunternehmer" durch alle Hürden des Übergabevorganges von der Erstbewertung des Unternehmens bis hin zur Vertragsunterzeichnung. "Auf der Website der Übergabe-Consultants der WKW unter www.uebergabe.at finden Sie in kompakter Form zahlreiche Hinweise und umfangreiche Informationen rund um den Beratungsablauf und die verschiedenen Beratungsprodukte. Dazu gehören etwa eine Liste der professionellen Berater auf diesem Gebiet sowie Veranstaltungshinweise und ein kostenloser persönlicher Gutschein für ein Erstgespräch mit einem Consultant aus der SPIN-Group", erklärt Nettig.

Info: Mag. Dr. Ernst Jauernik

Tel.: 514 50 DW 2262, Fax: 713 67 45,

e-mail: contact@uebergabe.at

 

Einen hervorragenden Intensivlehrgang für die Vorbereitung auf eine leitende Rolle im Familienbetrieb bietet das Hernstein International Management Institute der WKW für Betriebsnachfolger mit dem Hernstein Business Successor. "Anfang März haben erst wieder 13 Unternehmensnachfolger aus österreichischen Familienunternehmen den Lehrgang für Unternehmensnachfolger von Familienbetrieben mit großem Erfolg abgeschlossen. Aufgrund der hervorragenden Reputation des Hernstein Business Successors kommen die Teilnehmer mittlerweile aus ganz Österreich, aus namhaften und international bekannten Betrieben aller Größenklassen", betont Nettig. Wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist die Erstellung eines umfassenden Geschäftsplanes für das Familienunternehmen, der die Marktsituation, die Stärken und Schwächen des Betriebes sowie Marktchancen und -risken beleuchtet. Die Ausarbeitung konkreter Aktionspläne inklusive entsprechender Investitionspläne und Planrechnungen steht ebenso auf dem Programm. Nettig: "Durch die Teilnahme der Junioren, die meist zwischen 25 und 35 Jahre alt sind, profitiert auch die Senior-Generation, die sich auf diese Weise mit sehr grundsätzlichen strategischen Fragen das Fortbestehen des Unternehmens betreffend auseinandersetzen muss. Die größte Herausforderung für die Unternehmensnachfolger liegt allerdings in der Entwicklung eines eigenen Führungsstils." Anfang 2004 startet der nächste Lehrgang. Da aus jeder Branche nur ein Unternehmen teilnehmen kann, um direkte Konkurrenzsituationen zu vermeiden, ist eine möglichst frühzeitige Kontaktaufnahme notwendig.

Info: Mag. Alexander Löwenstein

Tel.: 317 56 11 DW 37, Fax-DW 17,

e-mail: alexander.loewenstein@hernstein.at

z0311p02

neue Suche