Nr. 11 • 2003 • Seite 6

Urbaner Genuss im Aufwind

Wer auf Service und Qualität setzt, tut sich im Wettbewerb mit Billiganbeitern nicht schwer.

Die detaillierte Auswertung der Gastronomiestudie der WKW ergibt ein differenziertes Bild, die Grundaussage jedoch gilt für alle: Service, Innovation und eine gute Lage machen sich bezahlt.

Im November 2002 führte die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien eine umfassende Studie über die Trends und Entwicklungen bei ihren fast 7000 Mitgliedsbetrieben durch. Nachdem kürzlich die Hauptergebnisse präsentiert wurden, liegen nun die Detailauswertungen für die einzelnen Bezirke vor. "Diese untermauern die Hauptergebnisse der gesamten Untersuchung: Betriebe in guten Lagen mit echter Genuss- und Erlebnisgastronomie sind auf der Überholspur, die reine Verpflegungsgastronomie in den Randlagen verliert", erklärt der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig, gemeinsam mit Studienautor Dr. Stefan Gergely.

 

Die Gewinner und die Verlierer - Bezirksergebnisse

Geordnet nach Bezirksgruppen zeigt sich dies besonders deutlich: Betriebe innerhalb des Gürtels schneiden überdurchschnittlich gut ab, Betriebe in den Bezirken 10 bis 23 haben hingegen Probleme mit der Umsatzentwicklung.

Aus den Antworten auf die Entwicklung der Buchumsätze im vergangenen Jahr wurde nach einem statistischen Verfahren ein "Erfolgs-Index" gebildet, der den Mittelwert aller Umsatzangaben als Null-Linie darstellt und der angibt, welche Lokaltypen besser oder schlechter abschneiden als dieser Mittelwert. Aus dieser Auswertung ergibt sich somit eine Skala der Gewinner (positive Werte) und Verlierer (negative Werte) - siehe Grafik.

Erfolgsfaktoren und Probleme der Betriebe

Aus den Antworten der Wiener Gastronomie-Unternehmer auf die Frage, welche Faktoren für den betriebswirtschaftlichen Erfolg steigende bzw. sinkende Bedeutung haben, ergibt sich eine klare Reihenfolge: Erfolgsfaktoren von stark steigender Bedeutung sind Personalkosten, Lokalmiete, Wareneinsatz in der Küche sowie behördliche Auflagen. Von sinkender Bedeutung sind für die meisten Betriebe der Umsatz mit Spielautomaten, Probleme mit Anrainern und die gastronomische Nahversorgung. Auch die Zahl der Touristen spielt für zahlreiche Betriebe keine nennenswerte Rolle.

Die nähere Analyse zeigt, dass jene Betriebe, für die die Faktoren "Zunehmende Konkurrenz durch Fast Food bzw. durch Betriebe in der Nachbarschaft mit Schleuderpreisen" steigende Bedeutung haben, gleichzeitig eine deutlich rückläufige Umsatzentwicklung verzeichnen. Offensichtlich handelt es sich dabei um Betriebe, die dem Typus der Verpflegungsgastronomie zuzuordnen sind und die sich im Wettbewerb mit anderen Billiganbietern zunehmend schwerer tun. Betriebe dagegen, für welche Erfolgsfaktoren wie Wareneinsatz der Küche, Schani-/Gastgarten und Anzahl der Touristen steigende Bedeutung aufweisen, zeigen eine überdurchschnittlich positive Umsatzentwicklung.

Die Gliederung nach Bezirken fördert für einzelne dieser Erfolgsfaktoren gravierende Unterschiede zutage: Unternehmer in den Bezirken 13, 19 und 12 klagen am meisten über behördliche Auflagen, Gastronomen in den Bezirken 17, 11, 2 und 5 sind dagegen vergleichsweise zufrieden. Der Bezirk mit den prozentuell höchsten Anrainerproblemen ist Hietzing. Die Konkurrenz durch direkte Mitbewerber ist für drei Viertel der Befragten von steigender Bedeutung. Die vergleichsweise geringsten Probleme haben in dieser Hinsicht Lokale im 18. und 13. Bezirk.

Laut Einschätzungen der Gastronomen für die Zukunftschancen der Wiener Lokale werden Betrieben aus den Bereichen Fast Food und Systemgastronomie, Bierlokalen und Pubs sowie Kaffeehäusern die vergleichsweise besten Chancen eingeräumt. Diese Beurteilung deckt sich im Trend mit den tatsächlichen Berichten über die Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr. Lokale in der Innenstadt haben nach Meinung der Lokalbesitzer bessere Chancen als solche in den anderen Bezirken.

Geringe Chancen werden Diskotheken und Tanzlokalen sowie Espressi eingeräumt.

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