Nr. 11 • 2003 • Seite 8

Frauenpower in allen Branchen

Präsentierten das Programm des 2. Wiener Töchtertags: WKW-Präsident Walter Nettig (l.) und Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner.

Am 2. Wiener Töchtertag sollen Mädchen dazu ermutigt werden, das Spektrum der für sie in Frage kommenden Berufe auch auf traditionell von Männern dominierte Bereiche auszuweiten. Die Wirtschaftskammer Wien unterstützt diese Initiative.

Schon seit Jahren können wir im Rahmen unserer Branchenpräsentationen im erfolgreichen BIWI, der Berufsinformation der Wirtschaftskammer Wien, beobachten, wie unvoreingenommen Mädchen an sogenannte Männerberufe herangehen. Dort können die jungen Damen das Handwerk im doppelten Sinne ,begreifen', und das bringt 100 Mal mehr als theoretische Erklärungen. Genau so soll auch der Töchtertag funktionieren, und deshalb unterstützen wir ihn auch sehr gerne", erklärte der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig, anlässlich der Präsentation des 2. Wiener Töchtertags mit Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner.

An diesem besonderen Tag begleiten Mädchen ihre Eltern zur Arbeit. Für einen Arbeitstag öffnen internationale Industriekonzerne, Klein- und Mittelbetriebe, Medienunternehmen, öffentliche Ämter und Institutionen ihre Türen. Ziel des Töchtertags ist, die Öffentlichkeit auf die Stärken der Mädchen aufmerksam zu machen, um einer gut ausgebildeten Generation junger Frauen weitreichende Zukunftsperspektiven in technisch orientierten, nichttraditionellen Berufsfeldern zu eröffnen.

„Noch dazu, wo es den Betrieben gerade in technischen und techniknahen Bereichen zunehmend an qualifiziertem Nachwuchs fehlt. Die Wiener Wirtschaft kann es sich nicht leisten, auf eine gut ausgebildete Generation von jungen Frauen und Mädchen zu verzichten", wie Nettig aus langjähriger Erfahrung und zahlreichen Gesprächen mit Unternehmern weiß.

 

Anders: die Berufswahl von Mädchen

85 Prozent der Mütter und 83 Prozent der Väter würden ihre Töchter ermuntern, einen für Frauen untypischen Beruf zu ergreifen, wie eine aktuelle Studie im Auftrag des Wiener Frauenbüros, durchgeführt vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES), zeigt. Und acht von zehn Mädchen finden Frauen in „Männerberufen" gut - was aber keineswegs bedeutet, dass sie selbst so einen Beruf ergreifen wollen. Die Berufswahl der meisten Jugendlichen erfolgt nach wie vor nach geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten, die technischen, handwerklichen und naturwissenschaftlichen Tätigkeiten üben zum allergrößten Teil Männer aus. 57,5 Prozent aller Mädchen entscheiden sich der aktuellen Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Wien zufolge nach wie vor für die drei Klassiker unter den Lehrberufen: Einzelhandelskauffrau, Friseurin und Bürokauffrau. „Wir sehen, dass sich die Liste der beliebtesten Lehrberufe von Mädchen und Burschen seit Jahren kaum verändert. Ein bisschen hat sich in den vergangenen Jahren aber sehr wohl bewegt. Vor allem bei den neuen Lehrberufen wurde größter Wert darauf gelegt, dass die Anforderungen völlig geschlechtsneutral sind. Und so haben wir etwa im neuen Lehrberuf Medienfachkraft/Mediendesign heute immerhin 40 Prozent Mädchen, konkret sind es 28 von 70", erläutert Nettig.

Steigender Frauenanteil in vielen Bereichen

Bei den Bautechnischen Zeichnern sind etwa 47 Prozent der Lehrlinge weiblich, bei den Selbständigen generell bemerkt die Wirtschaftskammer Wien seit Jahren einen wachsenden Frauenanteil, der derzeit bei fast 34 Prozent liegt.

In einigen Branchen - etwa in der Werbung, aber auch bei den Unternehmensberatern und IT-Dienstleistern - verzeichnen die Frauen enorme, zum Teil über jenen der Männer liegende Zuwachsraten. Bei den Musikinstrumentenerzeugern liegt der Frauenanteil bei etwa einem Drittel, bei den Fleischern sind es 45 Prozent, bei den Bäckern 47 und bei den Konditoren sogar 77 Prozent. Noch interessanter sind die Zuwachsraten im Fünf-Jahres-Vergleich, konkret zwischen Jänner 1998 und Jänner 2003. Hier wurden folgende Beschäftigungszunahmen verzeichnet:

- Schuhmacherinnen + 20%

- Kunststoffverarbeiterinnen + 30%

- Malerinnen, Lackiererinnen und Schilderherstellerinnen + 39%

- Mechatronikerinnen + 29%

„Sie sehen also, ein bisschen Bewegung in die richtige Richtung gibt es bereits, und wir wollen dies mit unserem Engagement beim Töchtertag noch weiter unterstützen. Uns geht es dabei darum, neben den sehr wichtigen Großbetrieben auch die Klein- und Mittelbetriebe zum Mitmachen zu motivieren. Denn sie sind natürlich im beruflichen Alltag einer der Hauptträger der Beschäftigung und auch der Jugendausbildung", ergänzt Nettig.

Spezielles Angebot des BIWI zum Töchtertag

Neben der Motivation der Wiener Betriebe hat die WKW auch die Verantwortung für jene Mädchen übernommen, die gerne am Töchtertag teilnehmen möchten, für die sich aber kein Besuch im Betrieb der Eltern organisieren lässt: Für sie wurde ein umfangreiches, informatives Ersatzprogramm am BIWI entwickelt, das heuer erstmals angeboten wird. Auch hier sind natürlich die Eltern gerne gesehen: „Aus unserer Studie zur Berufswahl von Mädchen wissen wir, dass gerade Mütter und Väter sehr großen Einfluss auf die berufliche Zukunft ihrer Töchter haben. Darum legen wir so großen Wert darauf, sie besonders einzubinden. Um Mädchen zu einer unkonventionellen Berufswahl zu bewegen, bedarf es veränderter Weichenstellungen - im Elternhaus, in der Schule und in der Öffentlichkeit."

 

Der Töchtertag lohnt sich - auch und besonders für die Unternehmen

Präsident Nettig bedankte sich bei den teilnehmenden Firmen: „Der vorbildliche Einsatz der Wiener Unternehmer ist ausschlaggebend für den Erfolg dieser vielversprechenden und richtungweisenden Aktion - und er zahlt sich auch wirklich aus: Letztendlich geht es hier darum, die geeigneten Arbeitskräfte für morgen zu finden - und so die Zukunft der Wiener Betriebe zu sichern." Die Betriebe erfahren einen Imagegewinn, indem sie ihre zukunftsorientierte Unternehmensphilosophie nach außen hin sichtbar machen. Der Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeiterinnen wird erkannt und nicht zuletzt fördern die Betriebe Mädchen als Fachkräfte von morgen, wodurch natürlich insbesondere die Identifikation der Mitarbeiterinnen mit dem Betrieb erhöht wird.

Unternehmen, die am Töchtertag teilnehmen wollen, werden gebeten, sich mit dem Töchtertagbüro in Verbindung zu setzen (Kontaktadresse siehe Infokasten).

2. Wiener Töchtertag:

Mädchen in den Mittelpunkt

Der Töchtertag bietet Mädchen zwischen elf und 16, deren Eltern in einem Betrieb arbeiten, der am „Töchtertag 2003" teilnimmt, die Möglichkeit, Berufe abseits der gängigen Rollenmuster kennen zu lernen. Die beste Freundin darf natürlich gerne mitgebracht werden. In der Früh begleiten die Töchter ihre Eltern zur Arbeit. Nach einem gemeinsamen Start in den Tag wird den Mädchen die Chance geboten, selbständig tätig zu sein. Im Vordergrund stehen das Ausprobieren und praktische Erfahren der eigenen technisch-handwerklichen Fähigkeiten.

Aber auch Mädchen, deren Eltern in Betrieben arbeiten, die am 2. Wiener Töchtertag nicht teilnehmen, haben die Chance verschiedene Berufsfelder praxisnah kennen zu lernen: Das BIWI bietet am 24. April einen besonderen berufspraktischen Tag mit einem dichten Programm. Die Eltern dürfen natürlich auch mitgenommen werden, die Mädchen werden eingeladen, sich handwerklich zu betätigen: Sie können ihr handwerkliches Geschick bei der Herstellung von Namensschildern erproben - unter Verwendung verschiedenster Materialien und in den unterschiedlichsten Techniken. Bewerbungstrainings stehen ebenso auf der Tagesordnung wie technische Eignungsverfahren: Sie sollen den Mädchen dabei behilflich sein, zu erkennen, für welche Tätigkeiten sie geeignet sind. Weiters bietet sich ihnen am Töchtertag im BIWI die Möglichkeit, mit Unternehmerinnen zu sprechen, die in frauenuntypischen Berufen Erfolg haben. Unternehmerinnen, die in handwerklichen Berufen oder im Bereich der Neuen Medien erfolgreich tätig sind, werden gebeten, sich beim BIWI zu melden.

 

Töchtertagbüro

Nähere Informationen und Service zum Töchtertag bietet das Töchtertagbüro für Mädchen, Eltern und Betriebe unter der kostenlosen Hotline 0800/22 22 10, täglich von 8.30 bis 16.30 Uhr, per Fax an 810 48 49 DW 50 sowie auf der Töchtertag-Website unter www.toechtertag.at

 

BIWI

Die Berufsinformation der Wiener Wirtschaft (BIWI) bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich ein Bild von ihrem zukünftigen Beruf zu machen. Im Rahmen von Schnuppertagen und Betriebspraktika, in Kooperation mit den Wiener Betrieben und den Wiener Schulen werden jungen Menschen Einblicke in den praktischen Berufsalltag ermöglicht.

Nähere Informationen:

Berufsinformation der Wiener Wirtschaft

Leo Hödl

Referatsleiter

Tel.: 470 33 07 DW 10

e-mail: hoedl@biwi.at

18., Währinger Gürtel 97

z0311p08

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